2. Wie vermisst man eine Stadt ohne moderne Messgeräte?
Heute lassen sich Entfernungen, Winkel und Koordinaten auf digitalen Karten mit großer Genauigkeit bestimmen. Wer vor Jahrhunderten eine Stadt anlegen wollte, hatte diese Möglichkeiten nicht. Vermessen musste er trotzdem.
Entscheidend sind dabei Bezugspunkte und ihre Beziehungen zueinander. Aus ihnen lassen sich weitere Punkte, Richtungen und Entfernungen entwickeln. Die Geometrie schafft eine Ordnung, die sich vom einzelnen Gebäude über Straßen und Plätze bis auf eine ganze Stadt erstrecken kann.
Vermessung als Gestaltung
Geometrie ist dabei nicht nur ein technisches Hilfsmittel. Wer Grundflächen aufteilt, Gebäude anordnet und ihre Lage zueinander bestimmt, gestaltet.
Historische Vermessung kann deshalb mehr gewesen sein als die zweckmäßige Aufteilung einer Fläche. In den untersuchten Städten finden sich geometrische Zusammenhänge, die zum Teil überraschend komplex sind. Sie lassen vermuten, dass mit Maß, Richtung und Proportion bewusst gearbeitet wurde.
Wie diese Geometrien tatsächlich ins Gelände übertragen wurden, ist damit noch nicht beantwortet. Gerade diese Frage ist Teil der Untersuchung.
Der Plan ist verschwunden. Die Stadt ist geblieben.
Von der ursprünglichen Vermessung ist heute meist wenig bekannt. Städte haben sich verändert, Gebäude wurden ersetzt, Befestigungen abgetragen, Grundstücke neu geordnet.
Doch geometrische Beziehungen können solche Veränderungen überdauern.
Mit heutigen Geodaten lässt sich versuchen, den Weg der damaligen Planung in umgekehrter Richtung zu gehen: von der Stadt zurück zu ihrer Geometrie.
Interessant wird eine Konstruktion dort, wo Beziehungen wiederkehren, sich ergänzen und zu einer schlüssigen Ordnung verbinden. So wird der Stadtgrundriss selbst zum Gegenstand der Untersuchung.
Und am Ende führt die Geometrie zurück zur Ausgangsfrage: Wie könnte eine solche Ordnung einst vermessen worden sein?

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